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Bundesligafussball

Das Spiel des Jahres 2014: Deutschland zerlegt Brasilien

Wissen Sie noch, was Sie am 8. Juli 2014 gemacht haben? Keine Ahnung? Hier eine kleine Hilfe: Müller, Klose, zweimal Kroos, Khedira und zweimal Schürrle. Da klingelt’s doch: Ach ja, WM-Halbfinale 2014, Brasilien gegen Deutschland. Ein Spiel, das ohne Umwege in die Geschichtsbücher einging, eine Partie, von der alle, ob sie live dabei waren oder ob sie sie am TV-Schirm verfolgten, noch ihren Enkeln erzählen werden. Grund genug, noch einmal auf das Spiel des Jahres 2014 zu blicken.

Nach Kloses Tor brachen alle Dämme

Natürlich war das WM-Finale am 13. Juli gegen Argentinien das wichtigere Spiel – schließlich brachte es den lang ersehnten vierten Stern für die DFB-Elf. Aber spektakulärer, faszinierender, mitreißender, historischer oder auch mitleidserregender als das Halbfinale kann kein Fußballspiel sein. Nachdem die Deutschen ein laues Anfangsdruck-Lüftchen der Brasilianer überstanden hatten, nahm eine bizarre Partie seinen Lauf. Das 1:0 für Deutschland in der 13. Minute war ein Fingerzeig: Nach einer Ecke von Kroos sah die brasilianische Abwehr überhaupt keinen Anlass, Thomas Müller zu decken, der unbedrängt seinen 5. Treffer bei der WM 2014 erzielen konnte. Als dann Miroslav Klose in der 23. Minute zum 2:0 abstaubte und gleichzeitig mit 16 Treffern zum ewigen WM-Torschützenkönig aufstieg, brachen alle Dämme: Brasilien bekam kein Bein mehr auf den Boden, die deutschen Tore folgten im Minutentakt. Bis zur 29. Minute stand es 5:0 und alle, Deutsche und Brasilianer gleichermaßen, standen unter Schock. Hatte nicht Per Mertesacker nach dem mühsamen 2:1 gegen Algerien im Achtelfinale noch den Interviewer angeraunzt, es gäbe nun mal bei einer WM keine Karnevalstruppen? Und nun das: 5:0. Im Halbfinale. Gegen den Gastgeber, WM-Favoriten und fünfmaligen Weltmeister Brasilien!

War das wirklich passiert?

In der zweiten Halbzeit nahm Deutschland den Fuß gegen immer noch völlig konfuse Gastgeber vom Gaspedal und beließ es bei zwei Treffern durch Schürrle, kassierte dann noch ein Ehrentörchen zum 1:7 in der Schlussminute. Auf der ganzen Welt rieb man sich die Augen: Ob in Frankreich (Le Parisien: „Planet Fußball versteht die Welt nicht mehr.“), England (Daily Mail: „Deutschland schlägt die Gastgeber 7:1 (Ja, SIEBEN!) in der größten Demütigung, die eine WM jemals erlebt hat.“) oder Spanien (Marca: „So eine erniedrigende Niederlage hat man in der Geschichte des Fußballs bisher nicht gesehen.“) – keiner konnte so recht glauben, was da passiert war. Brasiliens Trainer Felipe Scolari sprach von der „schlimmsten Niederlage aller Zeiten.“ Englands früherer Stürmerstar Gary Lineker sprach vom „außergewöhnlichsten, atemberaubendsten und verwirrendsten Spiel, das ich je erlebt habe.“

Es war das höchste Ergebnis jemals in einem WM-Halbfinale und die höchste Niederlage überhaupt für Brasilien – zusammen mit einem 0:6 gegen Uruguay aus dem Jahr 1920. Fünf Tore in den ersten 29 Minuten sind ebenfalls WM-Rekord. Vor Toni Kroos hatte noch kein Spieler bei einer WM innerhalb von 69 Sekunden zwei Tore geschossen. Khediras 5:0 war Deutschlands 221. Torerfolg bei einer WM – Platz 1 in der Rangliste der Teams mit den meisten WM-Toren, natürlich vor Brasilien. Und dann noch eine Statistik, die die ganze Hilflosigkeit der Selecao an diesem denkwürdigen Abend belegt: Brasiliens Stürmer Fred hatte 26 Ballkontakte – sechs davon im Mittelkreis beim Anstoß! Eben ein Abend für die Geschichtsbücher – und das Spiel des Jahres 2014.

Foto: Thinkstock, 491702555, iStock, tiero