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Bundesligafussball

Der Mann ohne «Selbstzweifel»: Kroos spricht Klartext

Amsterdam – Toni Kroos lieferte in der Amsterdam-Arena einen bemerkenswerten Auftritt ab – vor dem Holland-Spiel.

Im schmucklosen, fensterlosen Pressesaal des Fußballstadions saß der hochdekorierte Nationalspieler, den Bundestrainer Joachim Löw vor dem Knallstart am Sonntagabend in die EM-Qualifikation für weiterhin «unverzichtbar» erklärte, auf dem Podium und redete knapp 15 Minuten Klartext.

Der letzte verbliebene DFB-Feldspieler des WM-Endspiels von 2014 verteidigte Löws neuen Kurs und die Ausbootung des Bayern-Trios um Thomas Müller. Zugleich rechnete Kroos mit Kritikern wie Bernd Schuster ab, der ihn jüngst nach einer Clasico-Pleite mit Real Madrid gegen den FC Barcelona als «Dieseltraktor» bezeichnet hatte. «Er trabt nur vor sich her und macht nichts», höhnte der Ex-Real-Coach.

Dass Jérôme Boateng (30), Mats Hummels (30) und Thomas Müller (29), der im März 2010 gemeinsam mit ihm beim 0:1 gegen Argentinien in München debütiert hatte, nun nicht mehr dabei sind, ist für Kroos eine nachvollziehbare Entscheidung des Bundestrainers. «Ich glaube, dass es einfach eine sportliche Entscheidung war. Ich glaube nicht, dass es eine Entscheidung wegen des Alters war. Weil mit 29 kann man noch vernünftig Fußball spielen», sagte der 29-jährige Kroos.

Ihm missfällt die öffentliche Diskussion, bei der «nicht über die Entscheidung an sich und die sportliche Konsequenz daraus diskutiert wird, sondern nur, was drum herum passiert». Was sei denn plötzlich anders? «Ende des letzten Jahres war es schon so, dass Jérôme nicht da war, dass Thomas meistens von der Bank kam. Von daher war es bei den letzten Nations-League-Spielen nur Mats, der aus der ersten Elf jetzt wegfällt. Es verschieben sich Dinge, aber nicht so dramatisch.»

Die «neue Zeitrechnung», die Löw mit Blickrichtung EM 2020 ausgerufen hat, ändert am Sonderstatus des viermaligen Champions-League-Siegers Kroos vorerst nichts. «Toni Kroos hat über viele Jahre unglaubliche Konstanz an den Tag gelegt. Er ist für eine Mannschaft ein unglaublicher Gewinn, seine Ballbehandlung, ein Spiel zu lenken, seine Übersicht sind einmalig. Von daher ist der Toni Kroos für uns unverzichtbar», sagte Löw in Amsterdam. Der Bundestrainer glaubt zudem, dass die Rückkehr von Zinedine Zidane zu Real Madrid auch Kroos gut tut. «Ich hatte das Gefühl, dass er sich gefangen hat. Vielleicht hat der Trainerwechsel in Madrid dazu beigetragen.»

Die Sonderbehandlung, die sich Kroos im DFB-Team über Jahre mit Topleistungen und Titelgewinnen erworben hat, geht so weit, dass es seit der WM eine spezielle Vereinbarung mit dem Bundestrainer gibt. Der Vielspieler Kroos muss nicht mehr jedes Länderspiel mitmachen. Löw schont Kroos häufiger, so wie am vergangenen Mittwoch beim Test gegen Serbien (1:1). Natürlich stehe dieses Abkommen noch, erklärte Kroos: «Das ist eine Absprache, die aus einem Gefühl von mir heraus entstanden ist. Das gemeinsame Ziel von mir und dem Trainer ist ja, dass ich im Sommer 2020 auf absolutem Topniveau bin.»

Dieses Topniveau ließ Kroos in dieser Saison im Verein häufiger vermissen, wie er selbst zugab: «Es war eine Saison mit Real Madrid, die etwas mehr Schatten hatte, als man es gewohnt war.» Aber die öffentliche Schelte perlt am gebürtigen Greifswalder ab, besonders die Kritik an seiner Spielweise. «Meine Spielart hat sich nie verändert: Ich war nie der, der 90 Minuten über den Platz gesprintet ist und 28 Grätschen gemacht hat pro Spiel», betonte Kroos.

Den früheren Europameister Schuster kanzelte er ab: «Da wird gesagt, der läuft wie ein Dieseltraktor und macht nichts – und das nach einem Spiel, wo ich der Spieler mit den meisten Ballaktionen war. Das ist keine Kritik, das ist einfach nur Quatsch.» Kroos‘ Ausführungen am Tag vor dem Einsatz auf dem Rasen der Johan-Cruyff-Arena endeten mit einem bemerkenswerten Satz: «Es wird keiner mehr hinkriegen, dass ich in diesem Fußballerleben Selbstzweifel habe.»

Fotocredits: Federico Gambarini
(dpa)

(dpa)

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