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Bundesligafussball

Der schwere Gang des Prügelknaben HSV nach München

Hamburg – Zwei Tage nach dem Erdrutsch in der Führung droht den Profis des Hamburger SV ein erneutes Debakel beim FC Bayern.

0:8, 0:5, 0:8, 1:3, 2:9, 0:5, 0:6 und ein Torverhältnis von 3:44 – seit Jahren bezieht der abstiegsbedrohte Bundesligist aus der Hansestadt heftige Prügel beim Rekordmeister aus München. Seit 2011 dauert die Hamburger Schmach an. «Bayer München ist die beste Mannschaft in Deutschland und vielleicht auch mit die beste in Europa», sagt Trainer Bernd Hollerbach ehrfürchtig vor dem Spiel an diesem Samstag (15.30 Uhr) und schärft seinen Mannen ein: «Es geht darum, mutig aufzutreten.»

Hollerbachs Tage beim HSV sind nach der Beurlaubung von Vorstandschef Heribert Bruchhhagen und Sportdirektor Jens Todt ebenfalls gezählt. Sein Vertrag läuft zwar noch bis Sommer 2019, doch spätestens am Saisonende wird er seine Koffer packen müssen. Aufsichtsratschef Bernd Hoffmann will den kompletten Neuanfang. Da ist für ihn ein Coach, der wider Erwarten nicht die Wende beim Tabellenvorletzten erzwingen und von sechs Spielen noch keines gewinnen konnte, fehl am Platz.

Mit dem drohenden erstmaligen Abstieg der Hamburger aus der Bundesliga scheinen sich Hoffmann und der Aufsichtsrat abgefunden zu haben. Für die Galerie wird zwar weiterhin von Ärmel aufkrempeln und Kräfte mobilisieren geredet, doch die Neuausrichtung mit neuen Köpfen für die 2. Liga hat begonnen. Rechnerisch wäre die Rettung bei neun ausstehenden Spielen zwar noch möglich, aber bei einem Rückstand von sieben Punkten auf den Relegationsrang herrscht kaum Zuversicht.

«Ich glaube immer noch daran, dass wir es schaffen. Es ist noch nichts entschieden», sagt Hollerbach dennoch. Der Coach ist vom Rauswurf seiner Vertrauten Bruchhagen und Todt überrascht worden. «Aktuell hat sich einiges verändert. Ich weiß nicht, wie die Planungen vom Verein sind», gesteht der verunsicherte Coach. Dass er sein Team ausgerechnet nach dem Beben auf ein neues Motivationslevel vor dem Bayern-Spiel hieven kann, um die Serie von zwölf sieglosen Spielen zu beenden, ist zu bezweifeln.

Was passiert, wenn der HSV eine weitere Packung in München kassiert? Muss Hollerbach dann gehen? Interims-Vorstandsvorsitzender Frank Wettstein schloss das «Stand heute» aus, ließ Stand morgen aber offen. «Der Fokus liegt auf dem Bayern-Spiel», sagt der Finanzchef.

Bei der Neuformierung der Vorstandsriege will sich der HSV Zeit lassen, dennoch kursieren schon Namen. Jonas Boldt ist einer, Michael Meeske ein anderer. Boldt ist Manager und Kaderplaner bei Bayer Leverkusen und wird laut «Sport Bild» als möglicher Sportvorstand beim HSV gehandelt. Meeske, einst Geschäftsführer beim FC St. Pauli und jetziges Vorstandsmitglied beim 1. FC Nürnberg, käme als Bruchhagen-Nachfolger infrage. «Qualität der Entscheidungen geht vor Schnelligkeit», sagt Hoffmann. Alles andere sei «operative Hektik».

Fotocredits: Malte Christians
(dpa)

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