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Bundesligafussball

Gehälterirrsinn in der Bundesliga?

Mit dem Beginn der Bundesliga 1963, der mit dem Start des Berufsfußballs in Deutschland einherging, verdienten damalige Superstars wie Uwe Seeler (Hamburger Sportverein) oder Wolfgang Overath (1. FC Köln) jährlich etwa 15.500 Mark brutto. Selbst in Zeiten stärkerer Konjunktur hat das einen Nebenjob erfordert. Durch Verträge mit Sportartikelherstellern wie Adidas konnten diese Gehälter allerdings etwas aufgebessert werden. Doch vergleichen wir diese Summen mit den heute üblichen, ist eine größere Diskrepanz kaum vorstellbar. So verdient der momentane Topverdiener der Bundesliga Franck Ribéry (FC Bayern München) etwa 10 Millionen Euro pro Saison. Aber wie sinnvoll sind solche Gehälter für unerfahrene junge Spieler?

Die aktuellen Gehälter der Bundesliga

Der FC Bayern München und der VfL Wolfsburg zählen mit Abstand zu den großzügigsten Arbeitgebern der Bundesliga. Dem gegenüber stehen verhältnismäßig kleine Clubs wie Neuaufsteiger Greuther Fürth oder aber der FC Augsburg. Zum Vergleich: Während Superstars wie Franck Ribéry oder Diego zwischen zehn und acht Millionen Euro jährlich kassieren, verdienen Simon Jentzsch (FC Augsburg) und Gerald Asamoah (Greuther Fürth), jeweils die bestbezahltesten Spieler ihrer Mannschaften, 500.000 Euro pro Saison. Die Erklärung hierfür ist einfach: Je höher der Gehaltsetat eines Vereins, desto höher fallen die Spielergehälter aus – so verfügt der Rekordmeister aus München über einen Gehaltsetat von 112 Millionen Euro, während dem aktuellen Tabellenschlusslicht Greuther Fürth lediglich ein Etat von 12,5 Millionen Euro zur Verfügung steht. Hier aber stellt sich die Frage nach den Auswirkungen auf die Spieler – selbst in der dritten und vierten Liga sind Gehälter um 13.000 Euro monatlich keine Seltenheit.

Horrende Gehälter und deren Auswirkungen

Was macht ein solches Gehalt mit jungen Spielern wie Mario Götze (Borussia Dortmund ab Saison 2013/14 FC Bayern München) oder Julian Draxler (FC Schalke 04)? Sind Arroganz, die Steigerung der Motivation oder aber die Zunahme des Verantwortungsgefühls die Folge?

Zuallererst ist festzustellen, dass eine Gehaltserhöhung nicht automatisch eine Steigerung des Verantwortungsgefühls mit sich bringt. Das zeigt sich am Beispiel Tim Wieses (TSG 1899 Hoffenheim), der sich als Bestverdiener seines Vereins nach sportlichen Misserfolgen undiszipliniert in Diskotheken und Kneipen aufhielt – und das trotz bevorstehenden Trainingseinheiten und Ligaspielen. Erst die Polizei konnte den zügellosen Bundesligaprofi stoppen. Die Folge: Degradierung des Vereins und Hohn einer ganzen Nation. Ebenso unverantwortlich: Eljero Elia und Marko Arnautovic (beide SV Werder Bremen). Beide wurden kürzlich nach einer nächtlichen Spritztour mit deutlich überhöhter Geschwindigkeit und einem anschließenden Streit mit der Polizei von ihrem Verein suspendiert. Die Steigerung des Verantwortungsgefühls geht daher eher mit dem Vertrauen des Trainers, der Ernennung zum Mannschaftskapitän sowie sportlichen Erfolgen einher.

Arroganz als Folge hoher Spielergehälter ist hingegen ebenso verbreitet wie Bescheidenheit unter den Spielern. Meist hängt dies vom Charakter des Spielers ab. Paradebeispiele liefern hier Philipp Lahm (FC Bayern München) und Marko Arnautovic (SV Werder Bremen). Letzterem sagt man Impertinenz und eine gewisse Unnahbarkeit nach. Bayern-Kapitän Philipp Lahm hingegen überzeugt durch Fan-Nähe und soziales Engagement. So hat er beispielsweise die “Philipp-Lahm-Stiftung“ ins Leben gerufen, deren Ziel es ist benachteiligten Kindern Sport und Bildung näher zu bringen. Zudem ist er Partner des Projekts “Club der guten Hoffnung“. Auf dem Programm steht hier der Einsatz für Versöhnung und gegen Gewalt in Südafrika.

Zum Unmut der Fans: Vereinswechsel aus Geldgier?

Der Faktor Motivation geht mit einer Gehaltserhöhung häufig einher. Gemeint ist hier sowohl die Motivation in Bezug auf die Leistungssteigerung als auch der Beweggrund zum Vereinswechsel. So steht die Aussicht auf ein höheres Gehalt nach ligainternen Vereinswechseln bei vielen Spielern im Vordergrund. Beispiele sind hier Tim Wiese (2012 Wechsel von SV Werder Bremen zur TSG 1899 Hoffenheim), Daniel Van Buyten (2006 Wechsel vom Hamburger Sportverein zum FC Bayern München) oder Christian Träsch (2011 Wechsel vom VfB Stuttgart zum VfL Wolfsburg).

Häufig aber steht bei Wechseln in andere Ligen das höhere Niveau der jeweiligen Mannschaft im Zentrum der Entscheidung. So wechselte beispielsweise ein Lukas Podolski 2012 vom 1. FC Köln zum FC Arsenal oder aber ein Mesut Özil 2010 von SV Werder Bremen zu Real Madrid. Trotz alledem ist auch bei Fußballern die Aussicht auf ein höheres Gehalt ein attraktives Argument für einen Vereinswechsel. Schließlich muss für die Zeit nach dem sportlichen Ruhm gesorgt sein. Doch häufig läuft genau das schief. Der Grund: ein ausschweifender Lebensstil.

Gescheiterte Idole – der Steilpass in die Insolvenz

Der Reichtum kommt meist plötzlich und so kommt es, dass gerade junge Fußballspieler ihr Geld für Sportwagen, Immobilien und andere Luxusgüter ausgeben. An die Zukunft wird hier selten gedacht – und so scheint es auch, als würden sich weder Berater noch Eltern für die jungen Talente und die Lehre des richtigen Umgangs mit hohen Gehältern verantwortlich fühlen. Da kommt es vor, dass viele der damaligen Sporthelden kurz nach ihrem Karriereende pleite sind. Privatinsolvenz ist hier die Folge.

So zeigte sich beispielsweise ein Eike Immel (Europameister 1980 und Deutscher Meister 1992) im RTL-Dschungelcamp: ein Lager für gescheiterte Pleite-Promis. Auch die “Kobra“ (Ex-Bayern-Star Jürgen Wegmann) lebte lange Zeit in Armut.

Zwei Vermögensberater aus Rostock (Michael und Christian Daudert) untersuchten das Phänomen acht Jahre lang anhand der Vermögensverhältnisse von 110 Bundesligaprofis sowie 40 weiteren Spielern aus anderen Fußballligen. Das Ergebnis der Analyse war schockierend: Während etwa 9 Prozent der Profis nach ihrem Karriereende finanziell unabhängig sind, haben 26 Prozent der Stichprobe mehr Schulden als Vermögen. Die restlichen 65 Prozent sind finanziell zumindest so weit geschwächt, dass ein Folgejob notwendig wird. Dabei ist Letzteres bei Jahresgehältern in Millionenhöhe eigentlich nicht nötig, wenn denn die Ausgaben bewusster getätigt würden. Aber wen trifft die Hauptschuld?

Was meint Ihr? Sollten geringere Gehälter ausgezahlt oder die Spieler seitens der Vereine und der Berater besser aufgeklärt werden?

Foto: Sebastian Kopp – Fotolia / Quelle Grafik: Wall Street Journal