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Bundesligafussball

Gomez verzweifelt an seiner Torflaute

Wolfsburg – Mario Gomez schwankt zwischen Fatalismus und Verzweiflung. Dabei findet der Fußball-Nationalspieler für seine erschreckenden Torflaute verschiedene Beschreibungen.

«Es ist brutal», kommentiert der Mittelstürmer des VfL Wolfsburg die 450 Minuten mit einer Null in der Torstatistik. «Es ist komisch», ist eine andere Variante. Und: «Es ist wie verhext.»

Mario Gomez geht dahin, wo es weh tut. Dieser alte Fußballerspruch gilt für seine Zweikämpfe im Strafraum genauso wie für den öffentlichen Umgang mit seinem derzeit größten Problem. Auch nach der Nullnummer gegen Mainz stellte sich der Mittelstürmer den Fragen. Der 31-Jährige wich nicht aus, wie es die meisten Profis in schweren Zeiten tun.

«Der Ball will einfach nicht über die Linie», fasste Gomez zusammen und bat um Hilfe. «Wenn Sie eine Idee haben, was ich anders oder besser machen könnte, dann sagen Sie es mir», bat er die Journalisten mit einem gequälten Lächeln.

Gomez hat nicht nur beeindruckende 138 Tore in der Bundesliga geschossen und 2011 sogar die Torjäger-Kanone für 28 Treffer erhalten. Der Fußballer des Jahres 2007 hat neben den Höhen auch schon enorme Tiefen in seiner Karriere erlebt. So in der Nationalmannschaft, bei der er zeitweilig überflüssig schien und sich vom TV-Experten Mehmet Scholl verspotten lassen musste. Und bei der er vor der EM ein beeindruckendes Comeback feierte, aber nach zwei Toren in Frankreich verletzt ausschied.

Nicht anders in seinen Vereinen. Bei den Bayern wurde er trotz der 112 Tore in 172 Einsätzen mehr oder weniger aussortiert. Beim AC Florenz wurde er nicht glücklich und anschließend bei Besiktas Istanbul Torschützenkönig der ersten türkischen Liga.

Jetzt erlebt er bei der Rückkehr in die Bundesliga wieder ein Tief, mit einer für ihn selber überraschenden Dimension. «Ich habe es in meiner Karriere noch nie erlebt, dass es so viele krasse Situationen gibt», sagte Gomez nach dem Mainz-Spiel: «Der Ball ist dreimal blank vor meinem Fuß oder meinem Gesicht – und irgendwie kommt immer noch ein Daumen oder ein Zeh dazwischen.» So blieb er bei seinen fünf Einsätzen für Wolfsburg ohne Tor. Das sind Zahlen einer Krise.

«Jetzt muss ich erstmal den Kopf freikriegen», sagte Gomez bei Fragen zur Nationalmannschaft. Am Samstag im Hamburger Volksparkstadion gegen Tschechien könnte er sein 69. Länderspiel absolvieren – und sein 30. Tor schießen. Sein Wolfsburger Trainer Dieter Hecking drückt auf jeden Fall die Daumen, denn: «Das hilft uns dann auch.»

Zweifel an Gomez‘ Klasse gibt es beim VfL nicht. «Er hat über Jahre gezeigt, dass er diese Qualität hat», sagte Manager Klaus Allofs. Als ehemaliger Stürmer hat Allofs Verständnis. Der frühere Nationalspieler weiß, wie groß die Verzweiflung bei Gomez ist, wenn er sich bei der einen Großchance an das eigene Standbein schießt oder «der Torhüter noch mit den Fingerspitzen dran ist».

Fotocredits: Peter Steffen
(dpa)