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Bundesligafussball

Interimscoach Ismaël vermasselt Debüt

Darmstadt – Nach seinem missglückten Debüt soll Valérien Ismaël zumindest eine weitere Chance als Interimstrainer des VfL Wolfsburg erhalten.

«Wir werden Valérien nicht nach einem Spiel beurteilen», sagte Sportchef Klaus Allofs nach der 1:3 (0:1)-Niederlage des krisengebeutelten VW-Clubs im Kellerduell der Fußball-Bundesliga beim SV Darmstadt 98.

Ismaël konnte sich jedenfalls in seinen ersten 90 Minuten als VfL-Chef nicht für ein dauerhaftes Engagement empfehlen und musste sich von den «Lilien»-Fans «Absteiger! Absteiger!»-Rufe anhören. Allofs versicherte jedoch am Samstag: «Was die endgültige Entscheidung angeht, werden wir uns Zeit lassen.»

Der 41-jährige Coach ist nun im DFB-Pokal-Spiel beim Zweitliga-Spitzenclub FC Heidenheim am Mittwoch (18.30 Uhr) zum Erfolg verdammt. Nach zuletzt sieben Spielen ohne Sieg im Oberhaus steht für den VfL dann am Samstag die Partie gegen die zuletzt ebenfalls enttäuschenden Leverkusener an.

Dass Ismaël nach der Trennung von Dieter Hecking mittelfristig auf der Wolfsburger Trainerbank sitzen darf, ist nicht wahrscheinlicher geworden. «Vom Ergebnis her ist das enttäuschend für uns», räumte der Interimscoach ein. Zu seinen Perspektiven sagte er: «Ich wäre gut beraten, von Spiel zu Spiel zu denken. Es gibt eine klare Absprache mit Klaus Allofs.» Wie die aussieht, das wollte der gebürtige Franzose natürlich nicht sagen.

Der bisherige U23-Trainer des VfL hatte schon einmal eine Chance verpasst, sich als Profitrainer zu etablieren. In der Zweitliga-Saison 2014/2015 wurde er nach nur vier Siegen aus 13 Punktspielen beim 1. FC Nürnberg beurlaubt.

Das zumindest vorläufige Vertrauen der Wolfsburger in Ismaël entsprach auch der Entwicklung in der Bundesliga, Nachwuchstrainer bei den Profis zu etablieren: Julian Nagelsmann bei 1899 Hoffenheim, André Schubert bei Borussia Mönchengladbach und zuletzt Alexander Nouri bei Werder Bremen schafften den Sprung unter die Top 18 im Geschäft, von dem jeder Fußballlehrer träumt.

Eine Beförderungsgarantie für Ismaël sind diese Fallbeispiele nicht. «Es wäre fahrlässig, wenn wir uns nicht andere Optionen offen halten», sagte Allofs. «Wir prüfen den Markt.» Beim eigentlich hoch ambitionierten Meister von 2009 werden derzeit auch Namen wie die des früheren belgischen Nationaltrainers Marc Wilmots, des Italieners Roberto Mancini und des früheren Chelsea-Coachs André Villas-Boas gehandelt. Zumal VW möglicherweise eine größere Hausnummer bei dieser Personalie bevorzugt. Allofs wollte sich jedenfalls nicht auf ein Zeitfenster festlegen, in dem die Entscheidung fallen muss: «Es gibt nicht zwei, drei oder vier Wochen.»

Auch unter Ismaël wirkten die VfL-Profis nicht entschlossen genug und ließen sich von den bekannt bissigen Darmstädtern den Schneid abkaufen. Der Chefcoach konnte zudem nach 25 Minuten seinen ersten Plan, wie er selbst sagte, «in die Tonne kloppen»: Da zog Jeffrey Bruma gegen Laszlo Kleinheisler die Notbremse und sah Rot. Änis Ben-Hatira zirkelte den fälligen Freistoß zur überraschenden Darmstädter Führung in den Winkel.

Vor 15 300 Zuschauern am Böllenfalltor gelang Nationalstürmer Mario Gomez zwar nach einer Stunde sein ersehntes erstes Tor für Wolfsburg und damit auch der 1000. Bundesliga-Treffer des VfL. Nach Patzern von Ricardo Rodriguez und Paul Seguin ließen Kleinheisler (68.) und Sandro Sirigu (76.) mit ihre Toren die «Lilien» jedoch erneut jubeln – und die Gäste konsterniert zurück.

Allofs sah dennoch «viele positive Dinge», was an diesem verregneten Nachmittag gar nicht so einfach war. «Die Mannschaft hat trotzdem Charakter gezeigt und Moral», sagte Ismaël. Abwehrspieler Marcel Schäfer sah die Situation mit dem neuen Trainer ganz pragmatisch: «Ich denke, wir sollten da keine Wunderdinge erwarten.»

Fotocredits: Arne Dedert
(dpa)