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Bundesligafussball

Nürnberg entlässt Hans Meyer

Mit Hans Meyer verliert die Bundesliga einen der größten Entertainer ihrer Geschichte. Ohne den Druck, etwas erreichen zu müssen, führte der Kulttrainer den Club in den letzten zweieinhalb Jahren zu einem Pokalsieg und zur besten Platzierung in den vergangenen 20 Jahren. Leider konnte die Mannschaft in dieser Saison nicht mehr an die grandiosen Leistungen anknüpfen und liegt momentan mit zwei Punkten Rückstand auf einem Nichtabstiegsrang auf Platz 16.

Ausschlaggebend war wohl das Remis am vergangenen Wochenende gegen den Mitkonkurrenten aus Rostock. Bereits vor dem 1:1 orakelte Meyer, der sich den Mechanismen des Geschäftes durchaus bewusst ist, dass möglicherweise Ende Februar keinen Trainer Hans Meyer mehr geben wird. Vielleicht hatte er, der schon seit Jahren im Trainergeschäft ist, das Gefühl die Mannschaft nicht mehr erreichen zu können, schließlich blieb der Stammkader bis auf Torwart Raphael Schäfer vor dieser Saison fast unverändert. Stattdessen hat man sich mit Misimovic, Charisteas und Koller sogar punktuell verstärkt. Fakt ist aber, dass Nürnberg zwar schön spielte, aber nicht die Ergebnisse lieferte, die nötig sind, um in der Bundesliga bestehen zu können. Das wusste auch Hans Meyer, genauso wie jene Tatsache, dass die erreichten Erfolge alle nutzlos wären, würde man am Ende der Saison den bitteren Gang in Liga zwei antreten müssen. Das Beispiel Kaiserslautern lässt grüßen.

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Als Spieler agierte Meyer in der DDR-Oberliga ausschließlich bei Carl-Zeiss-Jena von 1963 bis 1969. Seine erfolgreiche Trainerkarriere sollte eben auch dort beginnen. Zwischen 1971 und 1983 sollte Hans Meyer mit dem thüringischen Traditionsverein immerhin drei Mal den FDGB-Pokal gewinnen. Der größte Erfolg jener Ära war das Erreichen des Europapokals der Pokalsieger 1981, wo man aber im Finale Dynamo Tiflis mit 1:2 unterlag. Im Anschluss trainierte er Rot-Weiß Erfurt und den Chemnitzer FC. Auch bei Carl-Zeiss Jena und dem 1.FC Union sollte Meyer kurzzeitig das Ruder übernehmen, ohne aber große Erfolge verbuchen zu können.

1996 wählte Meyer den ungewöhnlichen Weg ins Ausland, wo er in der niederländischen Ehrendivision Twente Enschede übernahm und dort das kleine Team in höhere Tabellenregionen führte. 1999 folgte dann die Rückkehr nach Deutschland zum damaligen Zweitligisten Borussia Mönchengladbach, die unter seiner Regie 2001 den Aufstieg schafften. Im März 2003 verließ Meyer auf eigenem Wunsch den Verein, weil es erhebliche Meinungsverschiedenheit um Umfeld gab. Im Dezember desselben Jahres unterschrieb Hans Meyer bei Hertha BSC und sollte die hoffnungslosen Berliner bis zum Ende der Saison bis auf Platz 12 führen. Für seine Konsequenz und sein authentisches Auftreten besitzt Hans Meyer noch immer Kultstatus in Berlin. Trotz einer vorliegenden Vertragsverlängerung entschied er sich gegen ein weiteres Engagement und kehrte erst im Dezember 2005 in Nürnberg auf den Trainerstuhl zurück. Sein größter Erfolg beim Club bleibt aber der Gewinn des DFB-Pokals im vergangenen Jahr.

Mit seiner Ironie und seinem Sarkasmus bereicherte Meyer jedes Wochenende die Bundesliga. Vermutlich wird wohl kein weiteres Engagement von Meyer in der Bundesliga mehr geben, weshalb er uns sehr fehlen wird. Nachfolger von Meyer soll Thomas von Heesen werden.