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Bundesligafussball

Reif(e) für die Champions League? – RB brilliert gegen Köln

Leipzig – Auf eine Champions-League-reife Vorstellung wollten sich RB Leipzigs Spieler nicht festlegen.

«Keine Ahnung, wir sind letztes Jahr in der zweiten Liga gewesen. Jetzt ist es die erste Bundesliga-Saison. Vielleicht dürfen wir uns nächste Saison mit internationalen Mannschaften messen», betonte Allrounder Stefan Ilsanker. Gerade mal einer – Emil Forsberg – absolvierte jemals Spiele in der höchsten europäischen Fußball-Klasse. Für alle anderen wäre es komplettes Neuland.

Mit dem 3:1 (2:0) gegen den 1. FC Köln und vor allem einer beeindruckenden Vorstellung in der ersten Halbzeit machten die Leipziger aber den nächsten Schritt beim wundersam-sagenhaften Aufstieg von Vereinsgründung und Oberliga 2009 Richtung Europa in der Spielzeit 2017/18.

Angeführt von Deutschlands bestem Torjäger Timo Werner zeigte der Aufsteiger in der Red Bull Arena seine spielerische, läuferische und strategische Klasse. Trainer Ralph Hasenhüttl ließ auf einmal mit drei Angreifern beginnen statt im gewohnten 4-4-2-System zu spielen und variierte nach Notwendigkeit auch noch bei seiner Abwehrkette.

So berauschend sie teilweise spielten, so nüchtern bewerteten die Leipziger Profis ihren Auftritt. «Wenn wir fit sind, spielen wir so einen Fußball», meinte Werner. «Normalform» halt. So ein Fußball bedeutete konkret: Köln mit dem leipzig-typischen Laufspiel unter Druck setzen, und das so früh wie möglich, die Gäste zu Fehlern nötigen, auch so früh wie möglich. Dem Tor von Forsberg ging auch ein Patzer von Gäste-Keeper Thomas Kessler voraus. Tor Nummer zwei mussten die Leipziger nicht mal selbst schießen.

«Wir haben den Gegner so gestresst, dass er sich das Ding selber reingedrückt hat», kommentierte Hasenhüttl das Eigentor in der 34. Minute von Dominic Maroh. Nur in den ersten 15 Minuten der zweiten Halbzeit verloren die RB-Spieler etwas die Kontrolle. «Unverständlich, warum wir dann nicht mehr so die Ordnung und den Zugriff gehabt haben wie in der ersten Hälfte», betonte Kapitän Willi Orban. Mit Umstellung auf Fünfer-Kette in der Abwehr kamen Sicherheit und Souveränität zurück.

Acht der vergangenen neun Gegner kassierten in Leipzig eine Niederlage. Nur der Hamburger SV konnte bei RB gewinnen (3:0). «Hamburg darf man nicht als Maßstab sehen», betonte Werner aber. Er und auch weitere Leistungsträger waren nach einer Grippe noch nicht bei 100 Prozent vor zwei Wochen gewesen.

Vieles dokumentiert den Anspruch der Leipziger, ohne explizit das Ziel Champions League formulieren zu müssen. «Es sind noch 12 Spiele zu spielen und 36 Punkte zu vergeben. Wir gehen mit der Motivation und mit dem Willen in jedes einzelne Spiel, es zu gewinnen. Und dann werden wir sehen, was dabei rum kommt», betonte Marvin Compper. Acht Punkte Vorsprung beträgt der Vorsprung auf Platz drei, elf sind es auf Platz fünf, der gar nicht zur Teilnahme an der Champions League berechtigen würde. Von den Diskussionen um ein mögliches Startverbot wegen Sponsor Red Bull und einer möglichen gleichzeitigen Teilnahme von Red Bull Salzburg zeigten sich die Leipziger zudem unberührt.

Selbst wenn sie international auf Vereinsebene unerfahren sind, allein die Ergebnisse mit 15 Siegen aus 22 Spielen sind schon Beleg der RBL-Qualität. «Viele Mannschaften haben schon gesehen, was hier in Leipzig los ist», sagte Kölns Nationalspieler Jonas Hector. Alles sieht also danach aus, das Orban auf die Frage nach der Champions-League-Reife in rund sechs Monaten nicht mehr antworten kann: «Weiß ich nicht, ich habe nie in der Champions League gespielt.»

Fotocredits: Jan Woitas
(dpa)

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