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Bundesligafussball

U21-«Meistertrainer» Kuntz widerlegt Kritiker

Krakau/Frankfurt – An den Kampf ums Olympia-Gold 2020 oder die Titelverteidigung mochte Stefan Kuntz nach dem emotionalen EM-Triumph noch nicht denken.

Zwar plant der DFB mit seinem Erfolgscoach bis ins Jahr 2020, doch vor Verhandlungen über den neuen Vertrag steht für den Trainer der neuen deutschen U21-Europameister erst einmal Erholung auf dem Programm. «Ich lasse mir jetzt Zeit, ich bin jetzt auch froh, wenn ich mal in den Urlaub fahren kann», sagte er nach seinem größten Erfolg als Trainer.

Doch nach ein paar entspannten Tagen mit seiner Ehefrau Sabine wird Kuntz mit DFB-Präsident Reinhard Grindel über einen neuen Kontrakt sprechen. «Aneinander vorbeireden werden wir glaube ich nicht», sagte Kuntz schmunzelnd. Der frühere Weltklasse-Stürmer hat in Polen seine Kritiker widerlegt und das geschafft, was ihm bei seinem Amtsantritt vor zehn Monaten wohl nur wenige zugetraut hätten: Er hat die DFB-Auswahl sensationell zum Europameistertitel geführt. Und das ohne etliche zum A-Team beorderte U21-Stars.

Als Kuntz nach dem 1:0 gegen Spanien tief in den Morgenstunden einen guten Rotwein und eine Zigarre vor dem Hotel genoss, kehrten nach und nach seine Europameister aus der Partynacht zurück. Ein «amüsantes» Bild, wie Kuntz schmunzelnd berichtete. Für einen wilden Discobesuch mit seinen 30 Jahre jüngeren Jungs fühlt sich der Coach dann doch zu alt. Zumal er mit Hip Hop gar nichts anfangen kann.

Nach einer kurzen Nacht konnte Kuntz den Erfolg dann erst so richtig realisieren. An dem Titel haben der Saarländer und sein Trainerteam großen Anteil. Kuntz beschwerte sich nicht, dass acht seiner U21-Profis mit Bundestrainer Joachim Löw zum Confed Cup reisten und formte stattdessen ein Team mit einem bemerkenswerten Zusammenhalt. «Das größte Kompliment, Stefan, muss ich dir machen. Das war sensationell», sagte DFB-Sportdirektor Horst Hrubesch beim Titel-Bankett. Denn auch die mutige Taktik im Endspiel trug zum Triumph über den großen Favoriten Spanien bei.

Genugtuung verspürt Kuntz deshalb allerdings nicht. «Dieses Gefühl kenne ich nicht», sagte er im ZDF-«Sportstudio». «Den Job mache ich, weil ich davon überzeugt bin.» Als Kuntz die U21 übernahm, lag sein letzter Trainerjob bei LR Ahlen zwölf Jahre zurück. «Es gab damals nicht nur Jubel, auch viele Zweifel. Da muss man den Leuten danken, die über diese Zweifel hinweg eine Entscheidung getroffen haben», sagte er. Bei einem Ehemaligentreffen 20 Jahre nach dem EM-Titel kam der entscheidende Kontakt mit dem DFB bei einer Bootsfahrt zustande.

Trotz aller Kritik ging der 54-Jährige mit der U21 seinen Weg. Er wurde nun belohnt, auf den Tag genau 21 Jahre nach seinem EM-Triumph mit dem A-Nationalteam. Die Geschichte von seinem Erfolg in London musste Kuntz während der Europameisterschaft einige Male erzählen. Auch mit anderen Anekdoten von seiner Großmutter unterhielt er die Öffentlichkeit, berichtete von schlaflosen Nächten, riss auf eigene Kosten Witze oder trällerte vor den Kameras auch mal ein Lied.

Auf dem Posten des U21-Trainers hat Kuntz berühmte Vorbilder wie etwa den derzeitigen Sportdirektor Horst Hrubesch oder Berti Vogts, der später Bundestrainer wurde und die Auswahl um Kuntz 1996 zum Titel führte. An eine große Karriere beim DFB denkt der Ex-Stürmer trotzdem noch nicht. «Wir haben mit Jogi den weltbesten Nationaltrainer», sagte er der «Bild am Sonntag» zur Frage nach einer Beförderung.

Nach dem Halbfinal-Sieg gegen England erlebte man Kuntz extrem emotional, vor dem Endspiel gegen Spanien angespannt – ansonsten trat er in Krakau meist gut gelaunt und grinsend auf. «Die Arbeit macht mir unglaublich Spaß», sagte er. Der Familienvater kokettiert immer wieder mit dem Altersunterschied – arbeitet aber auch extrem gerne mit Talenten zusammen. «Wenn ich mit den Spielern über 1996 spreche, muss ich es erklären, weil die meisten noch nicht geboren waren», sagte er grinsend. «Dann fühle ich mich alt.»

Die Musik im Teambus musste schon mal auf seinen Wunsch umgestellt werden. Auch eine Playstation kommt für Kuntz nicht infrage, aber trotzdem findet er einen Draht zu seinen Profis. Nach dem Titel feierte ihn sein Team mit «Meistertrainer»-Rufen. Mittelfeldspieler Max Meyer lobte: «Er ist ein Kumpel-Typ, sehr nah an der Mannschaft dran, versucht viel mit den Spielern zu reden, ist aber auch taktisch sehr, sehr gut.»

Fotocredits: Jan Woitas
(dpa)

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