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Bundesligafussball

Zeitenwende beim FSV Mainz 05: Strutz-Nachfolger gesucht

Mainz – Neuer Vorsitzender, neue Führungsstruktur – Fußball-Bundesligist FSV Mainz 05 steht vor der Zeitenwende. Nach knapp 29 Jahren endet die Ära des Präsidenten Harald Strutz und seiner langjährigen Vorstandskollegen.

Die Mitglieder wählen am Sonntag (11.00 Uhr) in einer außerordentlichen Sitzung den Nachfolger des 66-jährigen Juristen, der seinen Platz an der Spitze nicht freiwillig räumt. Nur zu gern hätte Strutz noch eine dreijährige Amtszeit drangehängt.

Die Chance dazu hatte sich der frühere Leichtathlet selbst verbaut. Kritik prasselte auf ihn ein, seit im Dezember 2015 bekannt wurde, dass sein Ehrenamt monatlich mit 23 000 Euro für Aufwand und juristische Beratung honoriert wurde – mit Billigung der Vorstandskollegen.

Strutz beklagte die Anfeindungen, fühlte sich «wie eine durchs Dorf getriebene Sau». Im März 2017 zog er die Konsequenz und verzichtete auf eine erneute Kandidatur. Der Jurist zog sich zurück, das Reden überließ er Vizepräsident Jürgen Doetz. Der 72-Jährige bewirbt sich nun als einer von drei Kandidaten um die Nachfolge. Zudem treten die weitgehend unbekannten Johannes Kaluza und Frank Röhr zur Wahl an.

Jurist Strutz war über all die Jahre gesellschaftlich anerkannt in Stadt und Land, er repräsentierte die Marke Mainz 05 auch national als Vizepräsident der Deutschen Fußball Liga (DFL) und im Vorstand des Deutschen Fußball-Bundes (DFB). Alle Ämter hat er abgegeben, die DFL ernannte ihn 2016 zum Ehrenangehörigen.

Ob und wie ihn sein Verein einmal ehren wird, ist unklar. Am Sonntag soll es nach Clubangaben keine große Verabschiedung oder Auszeichnung für Strutz und seine früheren Amtskollegen geben. Die Verdienste sind und bleiben unbestritten. Er führte die Rheinhessen aus den Niederungen der Zweiten Liga ins Oberhaus, machte aus der grauen Maus einen wirtschaftlich erfolgreichen Erstligisten.

Der steile Weg nach oben wäre aber ohne Manager Christian Heidel nie möglich gewesen. Der frühere Autohändler war der Macher, Strutz der Sonnenkönig. Nachdem Heidel 2016 dem Lockruf des FC Schalke 04 erlag, zeigten sich die ersten Risse im in die Jahre gekommenen Führungszirkel. In Rouven Schröder hatten Strutz und Heidel einen guten sportlichen Nachfolger gefunden, Führungsqualität strahlte der Vorstand ohne Alles-Macher Heidel nicht mehr aus.

Mainz 05 ist längst ein mittelständisches Unternehmen mit einem Umsatz von mehr als 100 Millionen Euro. Und das braucht eine starke Führung, aber auch die in den letzten Jahren vermisste Transparenz, Kontrolle und Professionalität. Eine neue Führungsstruktur war längst überfällig.

Nach heftigen Geburtswehen steht die Satzung. Ein mindestens neunköpfiger Aufsichtsrat wird künftig die Arbeit des Vorstandes mit einem Vorsitzenden und drei hauptamtlichen Kräften überwachen. Den Mitgliedern kommt die Aufgabe zu, den Vorsitzenden zu bestimmen, die hauptamtlichen Vorstände – in Frage kommen Schröder (Sport), Dag Heydecker (Marketing) und Christopher Blümlein (Finanzen) – werden vom Aufsichtsgremium bestimmt und ernannt.

Fotocredits: Fredrik von Erichsen
(dpa)

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