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Bundesligafussball

Zizous Treffen mit der alten Liebe im Königsklassen-Finale

Madrid – Zinedine Zidanes lächelte gequält. «Jetzt bleibt ja nichts anderes übrig. Jetzt muss ich gegen die antreten», sagte der Trainer von Real Madrid mit Blick auf das Champions-League-Finale gegen Juventus Turin.

Beim Pressetag des spanischen Fußballmeisters hatte ihn am Dienstag ein Journalist daran erinnert, dass er vor der Achtelfinal-Auslosung zum Wunschgegner noch gesagt habe: «Alle, nur bloß nicht Juve!». Beim früheren Profi der Alten Dame aus Italien weckt das Duell am Samstag in Cardiff doch sehr sentimentale Erinnerungen.

Zwischen 1996 und 2001 gewann Zizou mit Juve zwei Mal die italienische Liga, bevor er zu Real wechselte. Das ist schon lange her. Aber in Turin hat der Franzose immer noch mehr als nur einen Koffer. Zum Beispiel eine Kleinfeld-Fußball-Anlage, auf die sein früherer Fahrer Cristiano Bellini aufpasst. Dort ist auch sein Lieblingsrestaurant «Da Angelino». Und er hat in der nordwestitalienischen Stadt auch viele enge Freunde, wie die Ex-Mitspieler Mark Iuliano und Moreno Torricelli. Iuliano versichert: «Zizou ist als Mensch sogar besser denn als Fußballer.»

Der Weltmeister von 1998 räumte vor mehr als 200 Journalisten im Trainingszentrum Valdebebas nordöstlich von Madrid ein: «Es wird für mich etwas sehr Besonderes sein, gegen Juve zu spielen. Ich habe sehr schöne Erinnerungen an Turin.» Dem italienischen Fernsehen hatte er nach dem Finaleinzug sogar gesagt: «Im Herzen bleibe ich ja immer Juventino.» In Turin sei er «zum Mann geworden».

Damit die Fans von Real aber nicht auf dumme Gedanken kommen, betonte der 44-Jährige am Dienstag: «Ich habe die DNA von Madrid, das ist hier mein Zuhause. Egal, was in der Zukunft passiert: Ich werde immer Real-Fan sein, das ist der Club meines Lebens.»

Ein Königsklassen-Finale Real-Juve hat Zidane bereits mitgemacht. 1998 in Amsterdam. Nur halt im schwarz-weiß gestreiften Trikot der «Vecchia Signora». Damals zog er gegen das Team von Torwart Bodo Illgner und Trainer Jupp Heynckes mit 0:1 den Kürzeren. «Das war ein verdammt schlechtes Gefühl damals», weiß er nach 19 Jahren immer noch. Danach sollte Zidane aber mit Real sowohl als Spieler (2002) als auch als Trainer 2016 die CL-Trophäe gewinnen.

Dass der Sohn algerischer Einwanderer aus Marseille es als Trainer so weit bringt, hielten viele seiner Mitspieler nie für möglich. «Er war wenig kommunikativ. Anders als mancher Spieler sprach er zum Beispiel mit den Kollegen über Aspekte des Spiels überhaupt nicht», erklärte zum Beispiel der spanische Stürmerstar Raúl. Auch sein Juve-Trainer Marcello Lippi sagte: «Das ist eine Überraschung für mich. Ich hätte ihn mir nie als Trainer vorstellen können.»

Als Coach von Reals B-Mannschaft Castilla wurde Zidane von den Madrider Medien sogar häufig kritisiert. Es gab viele Misserfolge. Nun kann der dreifache Weltfußballer, der im Januar 2016 nach der Entlassung von Rafael Benítez zum Erstligacoach befördert wurde, auch als Trainer ganz große Geschichte schreiben. Bei einem Sieg in Wales wäre Real der erste erfolgreiche Titelverteidiger seit Einführung der Champions League. Und er könnte die Königlichen auch zum ersten Double aus Liga-Meisterschaft und Königsklassen-Titel seit 1958 führen.

Der Vater von vier Söhnen, die alle auch große Profis werden wollen, tritt – von seinem Kopfstoß im WM-Finale 2006 gegen den Italiener Marco Materazzi abgesehen – stets zurückhaltend und nett auf. Doch inzwischen weiß man: Das darf man nicht als fehlenden Ehrgeiz werten. Er verriet unter anderem bereits, dass er einmal die französische Nationalelf trainieren möchte. Als er beim Medientag nach Ende der Pressekonferenz aufstand, murmelte er: «Et c’est pas fini!» Zizous Geschichte ist noch nicht zu Ende.

Fotocredits: Daniel Ochoa de Olza
(dpa)

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