Bundesligafussball

Keine Geduld mehr mit Jonker: Schmidt übernimmt beim VfL

Wolfsburg (dpa) – Der VfL Wolfsburg hat nach nur vier Spieltagen den ersten Trainerwechsel der neuen Saison in der Fußball-Bundesliga vollzogen. Der frühere Mainzer Coach Martin Schmidt ersetzt beim Tabellen-14. Andries Jonker, teilte der Club am Montag mit.

Der 50 Jahre alte Schweizer Schmidt erhält einen Vertrag bis 2019. Bereits am Morgen hatte sich Wolfsburg von Jonker getrennt. «Ausschlaggebend für uns, diesen Schritt zum jetzigen Zeitpunkt zu vollziehen, waren nicht allein die jüngsten Eindrücke des Stuttgart-Spiels, sondern auch die in den zurückliegenden Wochen wahrnehmbare Stagnation in der Entwicklung unserer erst im Sommer in weiten Teilen neu formierten Mannschaft», sagte Clubchef Wolfgang Hotze am Montag nach dem Fehlstart des Tabellen-14., der am Samstag 0:1 bei Aufsteiger Stuttgart verloren hatte.

Schon da hatte Sportchef Olaf Rebbe Jonker keine Rückendeckung mehr geben wollen. «Der Druck ist bei uns immer groß. Wir glauben an die Mannschaft, aber diese Niederlage erhöht den Druck auf den gesamten VfL», hatte Rebbe gesagt und am Sonntagabend einen TV-Auftritt wegen einer ersten Krisensitzung der Geschäftsführung abgesagt. Im Eiltempo vollzog der 39-Jährige dann mitten in der Englischen Woche vor den Spielen gegen Bremen und am Freitag bei Bayern München den Wechsel. Bereits am Abend sollte Schmidt erstmals das Training leiten.

«Wir haben in dieser Woche zwei schwierige Spiele vor der Brust und somit keine Zeit zu verlieren, wollten aber auch keine Interimslösung anstreben, sondern sofort den neuen Cheftrainer installieren», sagte Rebbe, der nun auch immer mehr in den Fokus rückt. Die Erfolgsbilanz des einstigen Assistenten vom früheren Sportchef Klaus Allofs ist überschaubar. Kurz nach Rebbes Beförderung Ende 2016 zum Allofs-Nachfolger war der damalige Chefcoach Valérien Ismaël bei VW in Ungnade gefallen. Rebbe hielt an Ismaël fest, korrigierte die Entscheidung aber schon im Februar mit dessen Beurlaubung wieder.

Der 39-Jährige verpflichtete den als Chefcoach unerfahrenen Jonker, der den VfL aber auch nicht aus der Abstiegszone befreien konnte. Erst in der Relegation gelang gegen den Nachbarn Braunschweig die Rettung. Anders als der FSV Mainz, der sich trotz des Klassenverbleibs vom neuen VfL-Coach Schmidt trennte, hielt Wolfsburg an Jonker fest. Auch dies korrigierte Rebbe nun: Keine sieben Monate nach dessen Verpflichtung und nach nur 19 Pflichtspielen unter dem Niederländer.

Dabei sollte in dieser Saison – mal wieder – alles anders, besser und vor allem ruhiger werden beim VW-Club. Gut 50 Millionen Euro investierte Rebbe im Sommer in zehn neue Spieler. Als Saisonziel benannten die VW-Bosse einen einstelligen Tabellenplatz. Eine Entwicklung oder gar Verbesserung ist in der freilich noch jungen Saison indes nicht zu sehen. Geduld hatte der Club aber wie in der jüngeren Vergangenheit auch nicht. Schmidt ist nach der Trennung von Dieter Hecking im Oktober 2016 nun bereits der vierte Coach binnen einen Jahres, der sich beim VfL versuchen darf.

Eine kleine Spitze konnte sich Sportchef Frank Baumann von Wolfsburgs Gegner Werder Bremen daher nicht verkneifen. «Wir haben die Ruhe und das hat uns auch immer ausgezeichnet. Wir sind davon überzeugt, dass wir mit unserem Weg, den wir hier gehen, erfolgreich seien werden», sagte Baumann uns wollte von einem Trainerwechsel bei Werder, das nur einen Punkte aus vier Spielen holte, nichts wissen.

Hecking, der den VfL 2015 vor allem auch dank der individuellen Klasse von Kevin De Bruyne zum Pokalsieg geführt hatte, war der einzige Trainer seit Wolfgang Wolf (1998 bis 2003), der länger als zwei volle Spielzeiten in Wolfsburg arbeiten durfte oder wollte. Felix Magath hatte seine erste Amtszeit beim VfL nach der Meisterschaft 2009 freiwillig nach zwei Jahren beendet und war zum FC Schalke 04 gewechselt. Wirklich erfolgreich war der ehrgeizige VW-Club unter den nachfolgenden neun Trainern nur kurzzeitig unter Hecking.

Der neue Trainer des VfL Wolfsburg in Stichworten

Name: Martin Schmidt

Geboren: 12. April 1967 in Naters, Schweiz

Frühere Berufe: u.a. Automechaniker

Stationen als Cheftrainer:

2003-2008 FC Raron

2008-2010 FC Thun U21

2010-2015 FSV Mainz 05 II

02/2015- 06/2017 FSV Mainz 05

Fotocredits: Hermann Hay,Marijan Murat

(dpa)

Kommentar hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.